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10.05.09

Philosophischer Essay-Wettbewerb: Erster Preis für K. Swassjan


Prof. Dr. Karen Swassjan hat den ersten Preis in einem Essay-Wettbewerb gewonnen, den das renommierte Institut für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften 2008 ausgeschrieben hatte.

Die 111 Wettbewerbs-Beiträge zum Thema "Der Mensch im Labyrinth der Identitäten" waren zweifach anoymisiert und von einer hochkarätigen Jury in einem komplizierten Verfahren mehrfach beurteilt worden.

Das Preisgeld wird für die Publikation des Wettbewerbsbeitrags von K. Swassjan im Moskauer "Evidentis"-Verlag verwendet. Wann die deutsche Übersetzung erscheinen wird, ist noch offen.

 


Karen Swassjan über seinen Wettbewerbs-Beitrag:

«Das Problem des Menschen, sein Paradoxon ist, dass er ist, bevor er weiß, was er ist. Als einziges Wesen ist er fähig – und insofern auch dazu berufen –, die Welt im Allgemeinen wie im Besondern zu erkennen und zu begreifen. Doch in seinen Bemühungen darum stolpert über den Versuch, sich selbst als Erkennenden zu erkennen. Die Geschichte der Anthropologie ist gekennzeichnet durch eine Polarität, deren Grundmangel es ist, dass sie am Menschen vorbeizielt: einmal (von der Antike bis zum Mittelalter), indem sie ihn durch das Göttliche, das andere Mal (seit Beginn der Neuzeit bis dato), indem sie ihn durch das Tierische zu erklären versucht.

So gesehen, erweist sich der Darwinismus nur als umgestülpte Theologie: er versucht den Menschen von der Kuratel des Göttlichen zu befreien, und er landet in der Biologie. Die Anthropologie wiederum gerät so zu einer angewandten Subdisziplin beider: der Theologie wie auch der Zoologie. Und der Mensch darf sich wahlweise als homo dei oder als Angehöriger der bipedes primates betrachten.

Das eigentliche Thema des Beitrags ist der Versuch, diese Polarität zwischen dem Menschen als Gott und dem Menschen als Tier aufzuheben. Gelingt es uns nicht, den Menschen aus seinem innersten Wesen heraus in adäquater Weise als Menschen zu verstehen, so wird die genannte Polarität schon sehr bald nicht mehr die zwischen Gott und Tier sein, sondern die zwischen Tier und Maschine.»



 


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Zeichnung: Jsgard Peter